Geschichtsverein Rösrath
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Alte Küsterei
Rösrather Denkmal des Monats Oktober 2016

Mit einer fast 250jährigen Geschichte ist das Fachwerkhaus „Hauptstraße 54“, auch „Alte Küsterei“ genannt, eines der ältesten Wohngebäude des Ortsteils Rösrath. Es liegt südlich des ehemaligen Rösrather Klosters, der heutigen katholischen Pfarrkirche, und gehörte einst zum „Platzer Hof“. Bis ins 20. Jahrhundert war das Anwesen im Besitz der bekannten Rösrather Familie Scharrenbroich, deren Aktivitäten mehrfach in den Archiven erwähnt werden. So wurde 1694 Peter Scharrenbroich auf dem Platzer Hof geboren, der später als Halfe auf Hof Münchenberg anzutreffen ist. Dieses bedeutsame landwirtschaftliche Gut zwischen Menzlingen und Rambrücken an der Straße nach Oberschönrath gehörte seit 1422 zum Overather Cyriax, einer Filiale der Siegburger Abtei. Nach der Enteignung der kirchlichen Besitztümer 1803 blieb dieser Hof später im Besitz der Familie Scharrenbroich. Sie ist auch noch auf anderen Rösrather Höfen zu finden, von denen manche so wie der Platzer Hof in Ortsmitte oder Schwiegelshohn im Königsforst zwischen Bensberg und Forsbach am Tütberg als landwirtschaftliche Betriebe längst verschwunden sind.
Die Familie Scharrenbroich bleibt auch im 18. Jahrhundert noch eng mit dem Rösrather Kloster verbunden, das 1677 entstanden war, als die katholisch gebliebenen Adeligen der Häuser Stade, Venauen und Eulenbroich Augustiner-Eremiten ins Sülztal angeworben hatten. Sie sollten nach der konfessionellen Spaltung den Katholiken der Gemeinde, die lange Zeit zur nächstgelegenen und zuständigen Pfarrkirche nach Altenrath gingen, eine nähere seelsorgerische Anbindung ermöglichen. Aus dem Jahre 1702 erfahren wir, dass der Schöffe Peter Scharrenbroich vom Platzerhof eine private Stiftung an die Klosterkirche überwacht. 1781 stiftete ein weiterer Peter Scharrenbroich vom „Platzer Gut“ dem benachbarten Kloster 100 Taler. Ein weiteres Zeugnis der Familie bildet das heute noch an der Straße zur Bahnüberführung stehende Hochkreuz, ehemals mitten auf dem Rösrather Friedhof, der 1890 durch den Bau der Eisenbahn nach Westen verlegt wurde. Erst als das Gebäude „Haus 54“ im 20. Jahrhundert in den Besitz der 1853 gegründeten Rösrather Pfarrei überging, erhielt es die Bezeichnung „Alte Küsterei“. Zu Wohnzwecken wurde das Haus dann umgebaut und restauriert.
Eine dendrochronologische Untersuchung weist auf eine Erbauung des Hauses 54 um 1769/70 hin. Das zweigeschossige Fachwerkhaus, abgezimmert in Stockwerkbauweise, weist ein Satteldach mit beidseitigen Krüppelwalmen auf. Das 1. Obergeschoss kragt leicht hervor. Die Stockschwelle ist an allen vier Seiten des Hauses rundum mit einem Kerbschnitt verziert. Zur Straßenseite liegt in der Mittelachse die erneuerte Haustüre. Während das Fachgefüge weitgehend aus der Zeit der Erbauung stammt, sind die Fenster um 1900 als dreiteilige „Galgenfenster“ ersetzt und auch vergrößert worden, so dass Balken im Fachwerkgefüge angeschnitten oder gar versetzt wurden. Aus dieser Zeit stammt wohl auch der Zwerchgiebel über der Mittelachse mit einem etwas kleineren Fenster. Unter dem Haus liegt ein tonnengewölbter Bruchsteinkeller in West-Ost-Richtung. Der Abgang erfolgte einst über eine Falltüre und ist heute über einen modernen Zugang im Hause zu erreichen. Der Keller hat heute noch seinen einfachen, für das Bergische Land typischen Stampfl ehmfußboden. Das Gebäude wurde 1960-62 restauriert und vor allem im Inneren umgebaut, bevor es zu Wohnzwecken von der Pfarrei vermietet wurde. Geblieben ist allerdings die Hohlpfannendeckung des Dachs mit den unterlegten und als Nässeschutz dienenden Strohpuppen.


Literatur: Waltraud Rexhaus, Die Augustiner-Eremiten zu Rösrath,
Schriftenreihe Geschichtsverein Rösrath (SGVR) Band 23, Rösrath 1989
Waltraud Rexhaus, Der Liber Conventus, SGVR Band 24, Rösrath 1992
Barbara Wenig, Rösrather Geschichtspfade, Rösrath 1994, S. 110-115
Rösrath, Dorf im unteren Sülztal, SGVR Band 31, Rösrath 2001
Herrschaft der Höfe, SGVR Band 38, Rösrath 2008
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